Nostalgierig

Ich habe heute Musik gehört. Musik von früher. Sie lief im Hintergrund, ich arbeitete und als ich fertig war sagte ich zu mir: „Ich würde so unglaublich gerne mal wieder so tanzen wie früher.“

So, wie Ende der 90er im Soundgarden, Dortmund. Freitag Full Moon, Samstag regular, beide Nächte da. Jedes Wochenende. Oder Anfang der Nuller im Klup, Münster, Donnerstag, Sick of it all. Eine Institution.

Damals, als Songs nicht im Radio Edit auf 3:30 Minuten produziert wurden, sondern fertig waren, wenn die Künstler fertig waren. Früher, als nicht Minimal geil war, sondern Maximal. Breitseite. Als Mesa Boogie Triple Rectifier eine Einheit und Snare Peitschen Währung waren.

Ich will mal wieder der kleine Dünne sein, den die Security aus der Mitte des Moshpits zieht wenn New Noise von Refused läuft. Nicht, weil er Kacke gebaut hat, sondern weil man sich ernsthaft Sorgen machte, dass der da nicht lebend wieder rauskommt und gerade rechtzeitig, zu All my Life von den Foo Fighters, wieder zurück im Pit war. Ich will mal wieder ragen zu Rage against the Machine und nicht wenn die Nebenkostenabrechnung im Briefkasten liegt.

Ich will nicht chillen zu gechillten Beats an gechillten künstlichen Baugruben-Beaches und chillige Cocktails in chilligen Billig-Liegestühlen aus Chile unter Plastikpalmen schlürfen. Zur Hölle mit euren Karibik Substituten. Ich will schwitzen, stinken und ausrasten. Come as you are. Erdig und ehrlich. Augen zu, musikalischer Blindflug. Sehen mit den Ohren und fühlen mit den Beinen. Reicht.

Sind das diese ersten Anzeichen des Alters, von denen Ende der Neunziger die über 30-jährigen erzählt haben und wollten die wirklich lieber Beatles als Beatsteaks hören und werde ich alt, weil ich nicht mehr tanze, weil meine Musik in keiner Disko mehr läuft oder weil meine Sätze vermehrt und jährlich ansteigend mit den Worten „Früher“ und „Damals“ beginnen, oder das Wort „Disko“ enthalten?

Oder ist es einfach dieses Unbeschwerte auf das ich so nostalgierig bin? Diese Zeit, als nicht der nächste Geldeingang auf dem Konto wichtig war, sondern nur der nächste Song. Nur der – und versau das bloß nicht, DJ, der du noch echter DJ warst und kein aufsilikonisiertes Hyaluronsäuren-Endlager mit USB-Stick und Beats Kopfhörer, oder dieses Huhn im Carsten Spengemann Kostüm.

Ich würde so gerne mal wieder ausrasten. Anti-Flag statt Anti-Laktose. Bad Religion statt True Religion. Dave Grohl statt David Guetta. Type o Negative statt Y-Titty.

Wo ist meine Musik hin? Oder bin ich schon weg?

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Eigentlich wollte ich euch nur fragen: Wo kann ich tanzen wie früher?

3 Comments on “Nostalgierig

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