Frauenquote! Das Obwohl-Universum.

Ich bin ein Mann und gegen die Frauenquote. Macht mich das automatisch zum Macho oder Chauvi? Muss ich mich jetzt schlecht fühlen?

Zumindest wurde mir, durch zahlreiche Kommentare in den sozialen Netzwerken während der hitzigen Debatte, die letzte Woche rund um die Frauenquote stattfand, vermittelt, dass ich mich als Mann wenigstens nicht gut zu fühlen habe und einige gingen sogar so weit zu sagen, ein Mann hätte sich dazu gar nicht zu äußern. Ich berufe mich auf das Grundgesetz und äußere mich trotzdem.

Zugegeben, die Allerwenigsten werden jemals von der Quote betroffen sein. Männlein wie Weiblein. Regelt die Frauenquote doch die Zusammensetzung der Aufsichtsräte in DAX-Unternehmen und dort oben ist die Luft bekanntlich recht dünn. Dass trotzdem eine so emotionale Diskussion zustande kam, zeigt, dass das Thema eine enorm hohe gesellschaftliche Relevanz hat.

Und da sind wir schon beim Thema: Die Gesellschaft respektive unsere gesellschaftliche Entwicklung. Um die Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen, bedarf es einer gesellschaftlichen und doch individuellen Einstellung, Änderung und Feinjustierung, da die Summe der individuellen Betrachtungsweisen das Mindset einer Gesellschaft darstellt. Gleichstellung ist nicht durch Quoten zu erreichen, sondern mit Zeit, die uns die Chance gibt uns als Gleich zu erleben.

Wie meine ich das? Hier ein Beispiel: Woran merken wir das wir immer noch ein Rassismus-Problem zu haben? Zum Beispiel daran, dass nach 6 Jahren im Amt in fast keinem Beitrag über Barack Obama darauf verzichtet wird, zu erwähnen: Er ist der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Kommt es euch nicht auch aus den Ohren raus? Oder zum Beispiel daran, dass im Stile eines ARD-Brennpunkts über das Outing von Thomas Hitzlsperger berichtet wurde.

Je mehr wir über unsere vermeintlichen Unterschiede nicht nur reden, sondern sie medial filletieren und zu mundgerechten, verträglichen Happen verarbeiten, desto mehr verhindern wir, dass die Vielfalt in einer Gesellschaft zu einer bewusst erlebten und als Alltag wahrgenommenen Normalität wird.

So makaber es sich auch anhören mag – manche Probleme müssen einfach wegsterben. Alte Nazis und die Mauer in den Köpfen sind nur zwei Beispiele. Und selbst wenn sie weggestorben sind, wird es immer Menschen auf diesem Planeten geben, die so dicke Bretter vor ihrem Schädel haben, dass man es zu ihren Lebzeiten nicht schaffen wird einen einzigen Nagel dort reinzukloppen. Eine Quote ändert das auch nicht. Meiner Meinung nach muss eine Gesellschaft so stark und gefestigt sein, einen geringen Anteil von Vollpfosten zu ertragen.

Darüber hinaus muss man berücksichtigen, dass der Zugang zu einem Aufsichtsrats- oder Vorstandsposten, in den allermeisten Fällen ein betriebswirtschaftliches Studium voraussetzt. An dieser Stelle muss dringend betont werden, dass der Anteil der weiblichen Studierenden im Jahre 1975 bei 17% lag und jetzt bei 48,2%. Siehe hier.

Diese Zahl sagt uns zwei Dinge:

1. Karriereorientierte und starke Frauen werden sich ihren Platz an der Spitze von ganz alleine holen und sind stark auf dem Vormarsch. Dazu brauchen sie weder eine Alice Schwarzer, noch eine Frauenquote. Ganz im Gegenteil.Diese Quote diskriminiert jede starke, selbstbewusste und intelligente Frau bzw. macht sie zur Quoten-Frau und erweist damit der Emanzipationsgeschichte den größtmöglichen Bärendienst.

2. Der Arbeitsmarkt ist nichts anderes als ein MARKT und hier herrschen Angebot und Nachfrage. Dass in den Vorständen und Aufsichtsräten so viele Männer sitzen ist keine Diskriminierung, sondern die logische Konsequenz eines sich selbst regulierenden Marktes, in welchem in den 1980er Jahren 83% der Absolventen von betriebswirtschaftlichen Studienfächern, Männer waren. Mit derselben Begründung könnte man eine Männerquote für Erzieher in Kindergärten fordern und auch diese wäre komplett unsinnig, denn der MARKT gibt diese Kräfte einfach nicht her.

Abgesehen von Zahlen und Statistiken ist mir der gesellschaftliche Aspekt bzw. die Richtung unserer gesellschaftlichen Entwicklung jedoch viel wichtiger. Ich möchte nicht in einem Obwohl-Universum leben, in dem Menschen aufgrund von äußeren, geschlechtlichen, religiösen oder sexuellen Merkmalen geclustert und bei Bedarf gefeiert werden, wenn sie etwas außergewöhnliches erreicht haben. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es heißt:

Ich bin Bundeskanzlerin, obwohl ich eine Frau bin.
Ich bin im Aufsichtsrat, obwohl ich eine Frau bin.
Ich bin Präsident der USA, obwohl ich schwarz bin.
Ich bin Bundesfinanzminister, obwohl ich im Rollstuhl sitze.
Ich bin Fußballprofi, obwohl ich schwul bin.

Ich würde gerne in einer Welt leben, in der einzig und alleine folgende Prämisse das Mindset der Gesellschaft spiegelt:

Ich bin Mensch. Ich kann alles.

Des Weiteren gebe ich offen und ehrlich zu, dass ich – sollte die Quote über Aufsichtsräte hinaus jemals Anwendung finden – eine Frau als Vorgesetzte niemals ernst nehmen würde, wenn ich wüsste, sie hat ihren Job durch eine Quote bekommen. Hat sie für diesen Posten gekämpft, ihn verdient und erarbeitet, dann hat sie automatisch meinen Respekt, wie jeder andere Mensch auch.

Ein weiterer Punkt der in der Debatte vollkommen untergeht ist die Diskriminierung des Mannes. Wenn wir es zulassen, dass (bei gleicher Qualifikation) die Frau den Job bekommt und nicht der Mann und der einzige Grund dafür ist das einer der Bewerber einen Pimmel hat, dann können wir aus dem Wort Gleichberechtigung die Silbe „Gleich“ ersatzlos streichen. Das ist nicht nur Männerdiskriminierung, sondern vielmehr ein gesellschaftlicher Offenbarungseid, wenn die Rechte des Einen nur mit der Benachteiligung des Anderen zu realisieren sind.

Meiner Meinung nach erreichen wir den Status der Gleichstellung von allen in einer Gesellschaft lebenden Individuen (den wir uns ja alle wünschen) niemals durch Sonderregularien und Quoten, die verhindern, uns als „Gleich“ wahrzunehmen und zu erfahren. Denn diese Quoten erinnern uns mit permanent-penetranter Redundanz (äquivalent zu Alice Schwarzers Medienpräsenz) an unsere Unterschiede, unsere Vielfalt und ein Stückweit auch an Bedürftigkeit und DAS, liebe Leser, ist Diskriminierung in Reinform.

Ich bin zu 100% für gleiche Rechte und gleiche Chancen für unterschiedlich gleiche Menschen. Die Frauenquote jedoch, wirft die gesellschaftliche Entwicklung dorthin eher um Jahre zurück und ist ein nahezu abstrus anmutender – weil paradoxerweise diskriminierender – falscher Schritt in eine komplett falsche Richtung.